Ich würde ganz gerne mal ein bisschen Druck machen. Also etwas ausdrucken. In meiner persönlichen Warteschleife stauen sich nach einer Arbeitswoche: zwei bis vier wichtige Dokumente, die ich zuerst ausdrucken, dann erneut einscannen und dann ihrer Bestimmung zuführen kann; zwei Bahnfahrkarten; vier Aufsätze, die ich überflogen, für wichtig erachtet und dann liegengelassen habe, weil es nicht möglich war sie auszudrucken.

Es ist nämlich so, digital hin oder her: Ich hasse es an Bildschirmen zu lesen. Ich spüre dabei regelrecht, wie das gelesene eben nicht in mein Hirn hineingeht, sondern im elektroversmogten Raum zwischen meiner Stirn und dem Bildschirm wabert und nur allzu bald verpufft. Und außerdem bin ich leidenschaftliche Unterstreicherin und Andenrandschreiberin und da macht es sich besser und ist auch sozial verträglicher eine eigene Kopie des Textes zu malträtieren.

Kopie ist ein gutes Stichwort, das ist nämlich das Einzige, was ich schon kann: Kopieren in den Standorten der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Sollte reichen, sollte man meinen. Blöd nur, wenn das, was man lesen möchte, ganz neumodisch digital publiziert und also (noch) nicht in Büchern zu finden ist. Von wegen open access.

Gestern dachte ich, das System überlisten zu können, hatte ich doch an den Kopiergeräten in der SUB einen USB-Eingang entdeckt. Wenn ich die Dokumente aus meiner Warteschlange auf meinen Stick in Schlüsselform (übrigens ein Werbegeschenk der SPD: „Das Wir entscheidet!“) speichere, ihn dann an den Kopierer anschließe, könnte ich vielleicht doch drucken?!? Nachdem ich eine Vormittag lang um die sogenannten „Ricoh-Multifunktionsgeräte“ herumgeschlichen bin, stecke ich um die Mittagszeit (wenige Zeugen, denn alle sind in der Mensa) den Stick in die Maschine, die mich zuvor freundlich mit meiner ellenlangen Benutzernummer begrüßt hatte. Es passiert nichts. Ziemlich lange. Dann eine Meldung: Fehler im Gerät, bitte rufen sie die Servicehotline an. Das mache ich nicht, schließlich rege ich mich immer über die Leute auf, die in der Bibliothek telefonieren. Stattdessen nehm ich meinen Stick, meine Karte und die Mappe, die ich in Erwartung einer regelrechten Druckflut mitgebracht hatte und begebe mich zum nächsten Gerät. Dort das gleiche Spiel. Ich laufe zum Mann am Informationsschalter, der mir mitteilt, dass es eigentlich sehr wohl möglich ist, via USB-Stick auszudrucken, dass ich jetzt aber trotzdem die Hälfte der Geräte kaputt gemacht habe. Das wilde Knöpfe-Drücken und Rütteln am Multifunktionsgerät verschweige ich und suche diskret das Weite.

Heute sitze ich aus Angst zur Rechenschaft gezogen zu werden in einer anderen Bibliothek, noch immer ohne Druckerzeugnisse, noch immer ohne Antrag auf eine GWDG-Konto, mit dem ich endlich ausdrucken könnte, das ich zuvor aber ausdrucken muss. Immer dieser Druck!

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