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Letzte Woche ist etwas Schreckliches passiert. Das Internet war weg. Einen ganzen Nachmittag lag waren ich, das Kolleg, das Gebäude, die ganze Universität Göttingen offline. Zuerst glaubte ich an einen Witz, einen kurzen Wackler, den ich zum Klogang oder Kaffeeholen nutzen konnte. Aber es blieb dabei, auch nach ein und ausschalten, hoch und runterfahren, reparieren und zurücksetzen. Panik kroch in mir hoch, hilfesuchend stürmte ich auf den Flur. Dort hatten sich bereits einige Kollegen eingefunden, Angst flackerte in ihren Augen, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Wut lagen in der Luft. Alles Rufen nach IT-Malte half nichts, die Störung war, wie wir kurz darauf per Mail erfuhren, grundlegender Natur. „Die GWDG arbeitet mit Hochdruck an der Lösung des Problems. Wir informieren Sie, sobald es Neuigkeiten gibt.“

Und an was arbeite ich so lange mit Hochdruck? Es ist nämlich so, dass ich das Internet ganz unbedingt zum Arbeiten brauche. Ganz anders als all die Leute, die sagen, an dem Tag, als Facebook irgendwelche Probleme hatte, haben sie zum ersten Mal seit Jahren wieder konzentriert über längere Zeit arbeiten können, kann ich gar nicht ohne (also Internet, nicht Facebook!). Das mag zum Einen mit meinem Gegenstand zu tun haben, denn Blogs sind nun mal online. Aber letzten Mittwoch war ich dabei meinen Republica-Vortrag zu schreiben und hatte eigentlich das Material dazu auf Zetteln, in Kopien, in Büchern auf dem Schreibtisch liegen. Ich musste also gar nicht konkret auf etwas im Netz zugreifen. Und trotzdem ging es ohne Internet nicht weiter, konnte ich nicht denken, hatte keine Lust, fand es einfach schrecklich mühsam. Und das liegt, glaube ich daran, dass sich meine Arbeitsweise unterdessen derart mit den digitalen Möglichkeiten verschränkt hat, dass ich, fallen diese Möglichkeiten einmal weg, auch ausfalle. Ich bin es gewohnt, dass ich jede Information, seien es Lebensdaten irgendwelcher Autoren, Zitate, Synonyme usw. unten links zwischen Word und Citavi bei Firefox abholen kann. Diese Allgegenwart der passenden Informationen bestimmt mein Denken insofern ich es gewohnt bin, immer von dort aus weiter zu denken. Lücken zu lassen und das Nachschauen auf später zu verschieben, das pack ich einfach nicht mehr! Oft suche ich auch in der digitalisierten Version eines Buchs, das ich vor mir liegen habe, nach bestimmten Begriffen oder Stellen. Schlimm ist es immer dann, wenn es keine digitalisierte Version gibt und ich mich regelrecht dazu treten muss, das Buch per Hand zu durchsuchen. Horror die Vorstellung, ich müsste unter Zeitdruck einen Vortrag schreiben und hätte kein Internet!

Letzten Mittwoch bin ich dann einfach schon früher in den Mai abgetanzt, denn – nur, damit wir uns verstehen – ich habe überhaupt kein Problem damit, offline zu sein. Aber bitte nicht beim Arbeiten.

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