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Seit der republica denke ich immer wieder über das nach, was man wohl Wissenschaftskommunikation nennt und was zumindest in den Geisteswissenschaften eine zwar oft beschworene, aber dann doch eher stiefmütterlich behandelte Tugend ist. Nur wenn grade nichts anderes ansteht (also genau: nie!), lässt man sich vielleicht einmal dazu herab seine hochkomplexen Forschungszusammenhänge auf allgemeinverständliches Niveau runterzubrechen. Die Prioritäten sind klar gesetzt: zuerst forschen und wenns sein muss, kommunizieren.

Auf der republica habe ich bemerkt, dass das Verhältnis von Wissenschaft und Kommunikation durchaus auch anders verstanden wird: Wenn Gesche Joost etwa taubblinde Personen fragt, wie sie als Designerin deren Kommunikationsmöglichkeiten verbessern könnte oder die Mathematikerin Hannah Fry Scotland Yard hilft den Verlauf der London Riots von 2011 zu verstehen. Hier steht das gesellschaftliche Anliegen und der Austausch darüber am Anfang, erst dann kommt die Forschung, die sich diesen Anliegen annimmt.

Dem geisteswissenschaftlichen Lamento der eigenen Unbedeutsamkeit entsprechend mag man darauf entgegen: Uns fragt ja keiner! Nun, mein Eindruck ist ein anderer: Sehr wohl interessieren sich die Leute für geisteswissenschaftliche Forschung und hätten sicher auch ein paar Ideen, welche Filme oder Bücher unbedingt mal auf der geisteswissenschaftlichen Agenda stehen sollten. Unsere Gegenstände, also Gemälde, Serien, Romane, Geschichte, soziale und politische Prozesse liegen Otto Normalverbraucher ja erst einmal viel näher als beispielsweise chemische Prozesse in abgelegenen Ecken irgendwelcher Viecher. Und da wir ja eh das Ideal haben (sollten) möglichst klar und verständlich zu sein, scheint Geisteswissenschaftskommunikation ja ungefähr das Leichteste der Welt.

Aber die Freiheit der Wissenschaft! Ein Hort jenseits des Zeitgeists! Goethe! Schiller! Ich hör sie rufen – als wäre die Wissenschaft nicht längst der durchökonomisierte, verdrittmittelte Betrieb, in dem Trends und Buzzwords die Antragsprosa diktieren. (Was ok ist, nur warum so tun, als sei es nicht so?!) Lasst uns gerne den bildungsbürgerlichen Kanon hochhalten! Aber da dort eh so ein Gedränge herrscht, hätten wir doch eigentlich ein paar Hände frei um uns mit dem zu beschäftigen, was die Leute beschäftigt, die uns bezahlen. Die Leute nämlich.

 

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