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Die amerikanische Politikwissenschaftlerin Jodi Dean schreibt in ihrer Blog Theory (2010): A sure sign of the triumph of a practice or idea is the declaration of its death. Das mag in Bezug auf das große Ganze stimmen (oder auch nicht), in Bezug auf dieses kleine Blog, braucht es schon viel goodwill, um aus der Todesagonie der letzten elf (!) Monate den triumphalen Phönix zu herauszulesen.

Fragt mich nicht, warum es hier so leise war. Da war das Volontariat bei Rowohlt, der Wegzug von Berlin im Frühling, der heiße Sommer, ja, aber keine wirkliche Veränderung hinsichtlich des großen Projekts in dessen Schatten dieser Blog gedeihen sollte. Die Diss is still around.

Nun hat man sich ja an tote Blogs gewöhnt. Blogger verabschieden sich, kündigen ihren Rückzug oder Umzug an oder schweigen sich (r)aus. Ich aber habe nie entschieden, nicht mehr zu bloggen, vielmehr ist es einfach so passiert. Und natürlich steigt die Hemmschwelle es wieder zu tun proportional zu der seit dem letzten Post vergangenen Zeit.

Je mehr ich tippenderweise darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass sich eine grundsätzliche Unsicherheit in Bezug auf das Bloggen bei mir eingeschlichen hat: Es ist ein bisschen, als wäre mir der Ton abhandengekommen. Und auch das Gespür dafür, über was ich gerne wie schreiben würde. Vielleicht ist mir ja auch nur bewusst geworden, wie sehr man mit jedem Post nicht nur etwas über ein Thema sagt, sondern eben auch über sich. Und genau damit hab ich ein Problem. Weil es ja immer dann so dasteht, ohne Körper, ohne Zwischentöne, ohne Kontext. Mein Problem besteht schon länger, denn im Grunde gab dieses Unbehagen vor Jahren den Ausschlag dafür, meinen Facebook-Account zu löschen. Ich konnte mich dort einfach nicht verhalten: alles fühlte sich komisch, falsch, aufgesetzt, unironisch an. Hinzu kam, dass ich immer öfter irritiert darüber war, wie sich Leute, die ich gut kenne, auf Facebook präsentiert haben. Da wurden mir die engsten Freunde ganz fremd. Und ich war ratlos, wie ich mit damit umgehen sollte: Rangiert eine solche Facebook-induzierte Irritation auf gleicher Ebene wie eine face-to-face erlebte? Immerhin war der Facebook-Post des Anstoßes ja evtl. gar nicht für mich gedacht gewesen, war das ja etwas, was die betreffende Freundin mir gegenüber nie geäußert hätte. Ich zog es vor, meine Freunde zu behalten – und das hieß, mich vor ihren nervigen, unverständlichen, unlustigen Facebook-Präsenzen zu schützen. Und sie vor meiner.

Bloggen ist was anderes als Facebook. Und tatsächlich merke ich, während ich das tippe, dass es besser wird, dass der Ton vielleicht zurückkommt, wenn man einfach mal macht. Es geht ja um nichts. Bestenfalls darum, etwas Text zu produzieren und Gedanken abzulegen. Was als Motivatiosmantra auch so seine Tücken hat, klar. Fürs Erste wollte ich bloß sagen: Der Tod dieses Blog ist noch nicht entschieden.

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